War das Mittelalter wirklich so finster? Hör mal zu!
Oft sprechen wir über das “finstere Mittelalter”. Aber war das Mittelalter wirklich so finster? Hör einfach mal rein!
War das Mittelalter wirklich so finster?
Die Zeit des 14. und 15. Jahrhunderts hat man oft als "Herbst des Mittelalters" bezeichnet. Gezeichnet wurde hier ein Bild des Verfalls. Die Pest, schreckliche Hungersnöte und viele Naturkatastrophen prägen unsere Vorstellung von dieser Zeit. So sprach man auch manchmal vom “finsteren Mittelalter”. Allerdings gab es diese Bezeichnung erst später. Und war das Mittelalter finster? Wie so oft, kann man das nicht so eindeutig sagen.
Denn diese Jahrhunderte des Mittelalters waren auch eine Zeit des Aufbruchs und Neubeginns. Dies zeigte sich vor allem darin, dass sich alte Ordnungen auflösten, Menschen Althergekommenes in Frage stellten und auch einfach neugieriger wurden.
Warum sah man das Mittelalter als “finster” an?
Nachdem das Römische Reich zerfallen war, gingen viele Errungenschaften der Antike verloren. Damit ging auch Wissen verloren. Allerdings gab es auf der anderen Seite viele Fortschritte. Diese gab es vor allem in der islamischen Welt, aber auch in den mittelalterlichen Klöstern.
Das Mittelalter war ein Zeitalter heftiger Auseinandersetzungn, vor allem auch zwischen den Adeligen und dem König/Kaiser, zwischen Papst und Kaiser. Es gab viele Seuchen, Hungersnötige und Krankheiten wie z.B. die Pest. Die Kirche versuchte oftmals auch den Weg in die Moderne zu verhindern, vor allem aus Angst, ihre Macht über die Menschen zu verlieren.
Was spricht noch gegen die Vorstellung eines “finsteren Mittelalters”?
Das waren sicher auch die Fortschritte innhhalb der Wissenschaft und Technik. Erste Universitäten entstanden schon im Hochmittelalter. Die Kathedralen der Gotik bewiesen Fortschritt in der Baukunst.
Renaissance und Humanismus
Vor allem Italien mit der Renaissance im 14. und 15. Jahrhundert war Vorreiter auf dem Weg in die Moderne. Man begann, ein neues Menschenbild zu entwickeln, das sich von dem des "finsteren Mittelalters" abhob. Die Bildung wurde wichtiger, die Universitäten breiteten sich weiter aus, neue Berufe entwickelten sich und neue Fächer wie Medizin, Recht, Geographie und Kartographie konnten studiert werden.
Vor allem der Humanismus, der ebenso seinen Ausgang in Italien fand, trug zur Weiterentwicklung von Bildung und Wissenschaft bei. Der Humanismus stellte die Entwicklung eigener Gedanken und Vorstellungen in den Mittelpunkt. Man beschäftigte sich mit den antiken Schriftstellern und ihren Werken. Die berühmtesten Humanisten waren Erasmus von Rotterdam (1466 oder 1469 bis 1536) und Thomas More (14 77 bis 1535).
Das späte Mittelalter ist eine wichtige Zeit des Übergangs, in der Neues gedacht, geschaffen und entwickelt wurde, während Altes weiterbestand. Der Begriff wurde erst im Rückblick geschaffen. Das Mittelalter war nicht nur finster.