Gewichte und Maße im Mittelalter



Kilogramm und Meter sind heutige Gewichte und Maße, die man schon in der Schule lernt. Im Mittelalter gab es diese noch gar nicht. Maße zu haben war aber für den Handel wichtig, denn man musst ja etwas abwiegen oder Längen bestimmen können.
Damals gab es Längenmaße wie Elle, Spanne und Fuß. Handelsgüter wurden häufig nicht nach Gewicht bemessen, sondern nach Stück oder Volumen. Man rechnete dann zum Beispiel mit einem ode rmehreren Dutzend. Als Gewichtsmaß setzte sich langsam das Pfund durch.
Längen: Elle, Spanne oder Zoll?
Die ersten Längeneinheiten wurden von menschlichen Körperteilen abgeleitet. Das machte man schon in Mesopotamien und Ägypten so und das wurde im Mittelalter fortgeführt.
Eine Elle ist die Länge eines Unterarms. Gemessen wurde vom Ellbogen bis zum Ende des Mittelfingers. Da dieser Abstand aber ja von Person zu Person sehr unterschiedlich lang sein kann, war auch das Längenmaß der Elle in unterschiedlichen Orten nicht gleich lang. Die Braunschweiger Elle maß zum Beispiel 57,07 Zentimeter, die Erfurter Elle 40,37 Zentimeter. Schneider maßen zum Beispiel Stoffe in Ellen ab. Streckte man beide Arme aus, erhielt man ein Klafter. Das waren etwa 1,80 Meter.
Bauwerke hingegen wurden in Fuß abgemessen. Ein Fuß war etwa 33 Zentimeter lang.
Von der Hand wurden weitere Längenmaße abgeleitet, etwa die Spanne oder eine Handbreit. Eine Spanne ist etwa 20 Zentimeter lang. Ein Zoll wiederum ist eine Daumenbreite. Das sind ungefähr 2 bis 3 Zentimeter. Bei Hosenweiten oder Bildschirmgrößen verwenden wir den Zoll heute noch.
Stückzahlen: Dutzend, Schock oder Gros?
Es gab im Mittelalter eine Vielzahl von Bezeichnungen für Stückzahlen. Am bekanntesten bis heute ist wohl das Dutzend. Das sind 12 Stück. Davon abgeleitet sind ein Schock (5 mal 12, also 60) und ein Gros (12 mal 12, also 144).
Auch Ballen ist ein Stückmaß. Wir kennen es noch vom Stoffballen. Leder oder Stoffe wurden aufgerollt für den Transport. Je nachdem, was und wo man etwas abmessen wollte, waren das dann unterschiedliche Längen an Stoff, zum Beispiel 10 Stück Tuch mit jeweils einer Länge von 32 Ellen.
Mengen: Scheffel und Malter
Mengen wurden noch nicht gewogen, sondern nach ihrem Volumen gemessen. Man konnte zum Beispiel Getreidekörner oder Wasser in einen Behälter schütten und das dann messen. Das nennt man auch Hohlmaß.
Ein solches Schüttmaß war auch das Scheffel. Die Menge war allerdings auch sehr unterschiedlich je nach Ort. Sie konnte zwischen 17 und 310 Litern liegen! Vor allem Getreide, aber auch Kohle, wurde mit Scheffeln abgemessen. 12 Scheffel waren ein Malter.
Gewicht: Pfund
Ein Pfund ist bei uns heute ein halbes Kilogramm. Allerdings wird es immer weniger als Gewichtseinheit verwendet. Im Mittelalter setzte es sich langsam durch, allerdings wie bei vielen anderen Maßen nicht einheitlich. Mal waren wie in Nürnberg 510 Gramm ein Pfund, mal waren es auch nur 467 Gramm wie in Berlin.