Landschaft im Mittelalter: vom Wald zum Feld


Zwischen 800 und 1200 vervierfachte sich die Anzahl der Menschen, die auf deutschem Boden lebten. Durch dieses große Wachstum der Bevölkerung fehlte es an Nahrung.
Also wurden mehr Felder benötigt, um zum Beispiel Getreide anzubauen. Man begann damit, Wälder zu roden, also Bäume und Gestrüpp zu entfernen, um dann dort etwas anbauen zu können. Feuchte Flussauen wurden entwässert.
So veränderte sich zwischen dem 9. und 13. Jahrhundert auch die Landschaft. Aus einem Land mit Urwald, weiten Heide- oder Moorflächen und sumpfigen Tälern wurde langsam eine bäuerliche Kulturlandschaft. Die Landschaft wurde also im Mittelalter vom Menschen neu gestaltet.
Urbar machen
Es waren die Bauern, die das Land urbar machten. Das bedeutet, dass sie ein naturbelassenes Gebiet vorbereiteten für die landwirtschaftliche Nutzung. Das Land wurde durch die Urbarmachung umgewandelt zu einer Nutzfläche. Das Wort urbar bedeutet vorteilhaft oder nützlich.
Durch Rodungen entstanden Flächen für Ackerbau und auch für Siedlungen. Manche Ortsnamen erinnern noch heute an diese Zeit, indem sie das Wort Rodung enthalten, zum Beispiel Wernigerode. Eine erste Phase von Rodungen gab es schon im frühen Mittelalter bis etwa zum Jahr 800. Eine zweite Phase setzte dann ab 1100 ein, also im hohen Mittelalter. Besonders mühsam war es, auch Baumstümpfe und Wurzeln zu entfernen. Manchmal wurden diese einfach im Boden belassen.
Statt einzelner Höfe entstanden nun auch mehr und mehr Dörfer. Je nach Form unterscheidet man verschieden Dorftypen. Wege wurden angelegt. Auch die Mittelgebirge wurden nun immer mehr besiedelt. Die Waldflächen nahmen ab, nicht nur weil sie gerodet wurden, sondern auch weil Holz als Brennstoff begehrt war. Der verbliebene Wald wurde intensiv genutzt, zum Beispiel auch als Weide zur Viehhaltung.