Was ist die Kiewer Rus?

    Kiewer Rus

    Die Kiewer Rus war ein großes Reich im Mittelalter. Es bestand auf den Gebieten der heutigen Staaten Russland, Ukraine und Belarus. Dieses Gebiet wird historisch auch Rus genannt. Kiew, heute Hauptstadt der Ukraine, war damals das Zentrum des Großreichs. So kam es zu dem Namen Kiewer Rus, der aber erst viel später verwendet wurde.

    Die Kiewer Rus war ein Großfürstentum. Es bestand also aus mehreren Fürstentümern. Ein Großfürst stand dem gesamten Reich vor. Der erste Großfürst war Oleg im 9./10. Jahrhundert (882–912), der letzte hieß Daniel und war Großfürst im 13. Jahrhundert (1239–1240).
     

    Was bedeutet Rus?

    Rus ist der Name eines Volkes, das in diesem Gebiet lebte. Man nimmt an, dass die Rus von Wikingern abstammten, die sich hier in Osteuropa ab dem 8. Jahrhundert niederließen.

    Diese Wikinger, die in Osteuropa siedelten, werden auch Waräger genannt. Über die Ostsee kamen sie aus Skandinavien, fuhren über die Flüsse ins Landesinnere und siedelten dort, zum Beispiel an Dnpr, Düna, Wolga oder Don. Sie schufen so eine Handelsroute von der Ostsee bis nach Konstantinopel, also dem Byzantinischen Reich.

    Nach dem Volk der Rus wurde dann auch dieses Gebiet Rus genannt. Abgeleitet ist davon auch das Wort Russland.

    Aus dem Volk der Rus stammt die Familie der Rurikiden. Aus dieser Dynastie stammten die Herrscher der Kiewer Rus. Es war auch ein Rurikide, der das Kiewer Reich gründete. Er hieß Rurik.
     

    Entstehung der Kiewer Rus

    Das Großreich entstand um das Jahr 880. Seit 862 herrschte Rurik in der Stadt Nowgorod. Er starb 879. Für seinen minderjährigen Sohn Igor übernahm ein Feldherr namens Oleg die Herrschaft und verlegte den Herrschersitz nach Kiew. Kiew lag günstig in der Mitte des wichtigen Handelsweges von Nord nach Süd und hatte zudem gute Ost-West-Verbindungen. Oleg wurde so zum Begründer der Kiewer Rus.

     Nach seinem Tod übernahm Ruriks Sohn Igor nun den Thron. Weil er früh starb, herrschte seine Frau Olga, bis der Sohn Swjatoslaw alt genug war.

    Das Kiewer Reich bestand aus mehreren Teilfürstentümern. In jedem herrschte ein Fürst. Der Großfürst herrschte über das gesamte Reich. Solche Teilfürstentümer waren neben Kiew selbst zum Beispiel Smolensk oder Polozk.
     

    Blüte der Kiewer Rus

    Die Fürsten der Kiewer Rus vergrößerten ihr Reich immer weiter. Im 10. Jahrhundert erlebte das Reich seine Blüte.

    Unter Wladimir I. - auch Wladimir der Heilige genannt - trat die Rus im Jahr 988 zum orthodoxen Christentum über. Wladimir heiratete in diesem Jahr Anna von Byzanz, die Tochter des byzantinischen Kaisers. Es ist der Beginn der Russisch-Orthodoxen Kirche. Wladimir I. herrschte von 978 bis 1015.

    Sein Sohn Jaroslaw der Weise war von 1019 bis 1054 auf dem Thron. Er erließ eine erste Sammlung von Gesetzen für die Rus. Eine große Bautätigkeit setzte unter ihm ein und er verheiratete seine Kinder in ganz Europa.
     

    Ende der Kiewer Rus

    Ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts begann der Niedergang der Kiewer Rus. Von Osten her bedrohten immer wieder nomadische Reitervölker das Land. Viele Einwohner flohen vor diesen in den Nordosten. Dort wurden neue Städte gegründet. Und von dort riss schließlich ein Mann die Macht an sich: Andrei Bogoljubski. Die Großfürstenwürde ging nun von Kiew auf das Fürstentum Wladimir-Susdal in die Stadt Wladimir über. Unter den einzelnen Fürstentümern war es schon zuvor zu Machtkämpfen gekommen.

    Zwischen 1237 und 1240 drangen Mongolen in die Rus ein. Sie zerstörten viele Städte und töteten viele Menschen.1240 wurde Kiew belagert und zerstört.