Catull - ein neuer Dichter

    Wer war Catull?

    Catull war ein römischer Dichter im 1. Jahrhundert v. Chr. Sein vollständiger Name war Gaius Valerius Catullus. Wann genau er geboren wurde und wann er starb, weiß man nicht genau. Aber man weiß, dass Catull aus Verona stammt. Seine Familie war sehr wohlhabend. Er ging dann noch als junger Mann nach Rom.
     

    Catull als Neoteriker

    Catull war der berühmteste von mehreren Dichtern, die um 50 v. Chr. einen neuen Stil in der Dichtkunst vertraten. Diese Dichter nennt man auch die Neoteriker, “die Neueren”.

    Die Neoteriker nahmen sich einen griechischen Dichter namens Kallimachos zum Vorbild. Kallimachos hatte im 3. Jahrhundert v. Chr. gelebt. Die “neuen Dichter” betonten das Persönliche, nicht das Politische. Sie stellten Gefühle in den Vordergrund. Ihre Gedichte arbeiteten sie stilistisch sehr detailliert aus. Die Sprache ist klar und präzise.
     

    Catull und Carmen

    Catull hinterließ uns eine Vielzahl von Gedichten. Sie werden auf Lateinisch auch Carmina genannt, ein einzelnes Gedicht heißt Carmen. Man zählt sie durch, um sie zu benennen und spricht dann zum Beispiel von Carmen 1 oder Carmen 85.

    Insgesamt sind 116 Gedicht erhalten. Viele der Gedichte sind eher kurz, sogenannte Epigramme. Es gibt aber auch längere Carmina.

    Häufig geht es in Catulls Gedichten um Alltägliches, vor allem um Liebe und Freundschaft. Ab und zu findet man auch Seitenhiebe auf bekannte Personen seiner Zeit, etwa auf Cäsar oder Cicero. Solche Schmähgedichte waren durchaus typisch für die antike Literatur. Politisch war Catulls Dichtkunst aber nicht.

    Die bekanntesten Gedichte von Catull sind die über seine Liebe zu einer Frau, die er in seinem Werk Lesbia nennt. Da diese Frau verheiratet war, gab er ihr einen anderen Namen. Wahrscheinlich hieß sie Clodia. In Carmen 85 schriebt er wohl über sie “odi et amo” - "Ich hasse und ich liebe".
     

    Catull und Epikur

    Catull war ein Anhänger des griechischen Philosophen Epikur. Auch er lebte schon im 4./3. Jahrhundert v. Chr. Epikurs Lehre besagte, dass man ein lustvolles Leben leben soll. Das Streben nach Lust gilt als oberstes Ziel. Erreicht werden sollte das aber nicht durch pures Vergnügen, sondern durch Vernunft und Tugend.